19.10.2011

Unfreiwillige Pokal-Pause

Unfreiwillige Pokal-Pause für die A!B!C Titans Berg. Land

Lückenhafte Statuten des WVV verhindern Teilnahme

Als am vergangenen Sonntag, dem 16. Oktober, das Finale des WVV-Pokals zwischen der SG Ratingen/Düsseldorf und den TSG Solingen Volleys abgepfiffen wurde, wurde der letzte Startplatz für Mannschaften unterhalb der 1. Volleyball Bundesliga im Gebiet des Westdeutschen Volleyball Verbandes vergeben. Die TSG Solingen Volleys ziehen damit als einziges Team des WVV in die erste Hauptrunde des diesjährigen DVV Pokals ein.

Dass die A!B!C Titans Berg. Land mit dem Ausgang des Finales nichts zu tun hatten, liegt an einer Lücke in den Statuten des Westdeutschen Volleyball Verbandes. Alle Mannschaften der Zweiten Volleyball Bundesliga sind normalerweise automatisch für die Teilnahme am WVV Pokal gesetzt. Eine Regelung für einen Absteiger aus dem Volleyball Oberhaus ist hierbei allerdings nicht vorgesehen. Begründet liegt die Nichtteilnahme des Tabellenführers der 2. Volleyball Bundesliga darin, dass der laufende Pokalwettbewerb im WVV bereits in der letzten Saison begonnen hat. Da spielten die Bergischen bekanntlich noch eine Liga höher und waren demnach ohne Umwege für den DVV Pokal qualifiziert.

„Das ist alles etwas konfus. Fakt ist aber, dass wir am 3. Juni von WVV Präsident Matthias Fell unsere Teilnahme am Pokalwettbewerb bestätigt bekommen haben. Erst danach kam durch Spielwart Fritz Hacke die Problematik auf, dass wir trotz ordnungsgemäßer Anmeldung zur Pokalrunde am 01.05.2011 nicht in einen laufenden Wettbewerb einsteigen könnten. Auf mehrmaliges Nachfragen bei Herrn Hacke verwies dieser zunächst auf einen Spielausschussbeschluss, der besagen würde, dass die A!B!C Titans am laufenden Pokalwettbewerb nicht mehr teilnehmen könnten. Dieser Beschluss wurde uns bis dato trotz zahlreicher Aufforderungen nicht vorgelegt“,  berichtet der Sportdirektor der Titans, Lars Dinglinger. Weitere, sachdienliche Aussagen lieferte Herr Hacke nicht mehr, sondern berief sich konsequent auf den Standpunkt, das „dies eben so sei“  und verwies am 21.06.2011 auf den Rechtsweg, da „er nicht mehr bereit sei, sich mit der Angelegenheit länger zu beschäftigen“.

„Im Zuge dessen waren wir mangels zu erzielender Einigung daher gezwungen, Klage gegen den Westdeutschen Volleyball Verband auf Teilnahme am Pokalwettbewerb einzulegen, auch wenn diese wegen des Versuchs einer außergerichtlichen Einigung schon verspätet war. Wir hatten uns aber trotzdem für diesen Schritt entschieden, um nichts unversucht zu lassen, eine Teilnahme doch noch zu generieren, da die Mannschaften der Regionalliga und zweiten Bundesliga erst Ende September in den Pokal eingreifen.“, so Dinglinger weiter.

Die Klage der A!B!C Titans ging durch mehrere Instanzen und wurde immer wieder mit dem Hinweis auf Verspätung des gestellten Antrags abgelehnt. Zu der Verspätung hat aber ausschließlich das Verhalten des Sportwarts Hacke geführt. Anstatt sich für eine Lösung einzusetzen, hat Herr Hacke auf seinem Standpunkt beharrt, ohne eine dafür in der Spielordnung des WVV  befindliche Rechtsgrundlage benennen zu können.

In der letzten Instanz, dem Verbandsgericht Ruhr, bewertete der zuständige Richter Dieter Spies das Verhalten des WVV ebenfalls als völlig inakzeptabel.

„Herr Spies hat sich komplett unserer Meinung angeschlossen und unsere Teilnahme an der laufenden Pokalrunde nicht in Frage gestellt. Da aber auch er in der Sache aufgrund der Verspätung nicht mehr entscheiden konnte, hat er sich bereits Anfang Juli an den WVV gewandt und diesen aufgrund seines Verhaltens gerügt, zu einer Stellungnahme aufgefordert und aufgrund des Zeitfaktors zu einer praktischen Lösung angehalten. Der WVV hat die begehrte Stellungnahme bis heute nicht abgegeben geschweige denn eine Lösung in unserem Interesse gefunden, was uns ebenfalls zeigt, dass wir Opfer  einer Hinhaltetaktik  des WVV geworden sind“, so Westhoff. „ Am vergangenen Freitag bekamen wir vom zuständigen WVV-Anwalt dann noch die Nachricht, der Vorstand wird sich am Sonntag, dem Tag des Endspiels zwischen Solingen und Ratingen/Düsseldorf zusammen setzen und über unser in der vorletzten Woche gestelltes Gnadengesuch entscheiden. Allein eine solche Mitteilung einer Entscheidung, die erst am Finaltag getroffen werden sollte, empfinden wir als einen weiteren Schlag ins Gesicht“, so Westhoff. „Unser Gesuch wurde letztlich mit demselben Argument zurück gewiesen“, so Westhoff weiter.

Das zeigt aber noch einmal ganz deutlich, wie der WVV mit der Problematik umgegangen ist, nämlich durch Abwarten und Aussitzen. “, beklagt Westhoff. „Das, was man sonst der Wirtschaft vorwirft, wird hier par excellence im Sport betrieben. Das ist absolut unsportlich und auch noch ebenso unprofessionell.“, bewertet Westhoff das Verhalten des WVV. Daher hilft es auch nicht, wenn der WVV in Aussicht gestellt hat, dass die Regelungen für die nächste Pokalrunde überprüft und angepasst werden.

Den Bergischen entstehen durch diese mehr als peinliche und unglaubliche Handhabung des WVV Verluste auf mehreren Ebenen. „Das hat einen ziemlichen moralischen Knick ins Team gebracht. Niemand der Spieler kann wirklich verstehen, warum das so gelaufen ist. Gerade die ausländischen Spieler sind entsetzt über die Nichtberücksichtigung unserer Mannschaft. Für sie ist es absoluter Normalzustand, dass eine Pokalqualifikation zeitnah und aktuell passiert und nicht schon eine Saison im Voraus angefangen wird,“, berichtet Headcoach Georg Grozer über die Reaktion der Mannschaft.

„Natürlich haben wir auch finanziell erhebliche Einbußen. Aus unserer aktuellen Tabellensituation heraus haben wir für uns sehr gute Chancen gesehen, uns für die erste Hauptrunde des DVV Pokals zu qualifizieren. Gegen den bereits feststehenden Gegner Moerser SC haben wir auch in unserer Vorbereitung sehr gute Leistungen gezeigt. Wir können also begründet die Nichteinnahmen von zwei Heimspielen beklagen und das tut nicht nur sehr weh, sondern kostet uns auch mehrere tausend Euro. Wir haben uns in den letzten Jahren immer mit dem kleinsten Budget durch die Liga kämpfen müssen. Da macht es jetzt für uns keinen Unterschied, dass wir in der zweiten Liga spielen. Schließlich hätten wir so schon wertvolle Rücklagen für unsere nächste Erstliga Spielzeit bilden können. Das ist für einen kleinen Klub wie uns ein sehr bedauerlicher Verlust.“, weist Westhoff auf die finanziellen Einbußen hin. „Wir prüfen zur Zeit daher die zivilrechtlichen Schritte gegen den WVV und das Präsidium, um den entstehenden Schaden im Schadenersatzwege einzuklagen.“, so Westhoff weiter.

Die A!B!C Titans Berg. Land legen somit für eine Saison ihre Pokalaktivitäten unfreiwillig auf Eis.

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